Bürgergespräch zum Thema: "Mobilität neu denken"

Mobilität neu denken“ war das Thema beim Bürgergespräch der SPD

Unterwegs in der Stadt zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus und mit dem Auto „In Traunstein kann man eigentlich alles mit dem Fahrrad erledigen, die Entfernungen sind nicht so groß.“, damit eröffnete Stadtratskandidat Nils Bödeker seinen Beitrag zum Thema „Mobilität“ beim Bürgergespräch der Traunsteiner SPD im Hofbräustüberl am Stadtplatz vor zahlreichen Besuchern.

Allerdings gebe es auch gefährliche Situationen. So hätte es bei der letzten „Slow Roll“-Fahrt des Traunstein Bicycle Clubs im Dezember in der Wasserburger Straße fast einen Unfall gegeben, als ein Bus noch schnell eine Gruppe Kinder überholen wollte, als gerade der Radweg zu Ende war und die Kinder auf die Straße ausweichen mussten. Dennoch könne man feststellen, dass immer mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind, der Spaß am Fahrradfahren nehme zu. Es sei für viele Menschen schneller und praktischer, die Alltagswege mit dem Fahrrad zu erledigen, vor allem spare man sich die Parkplatzsuche. „Gute Radwege sind natürlich eine Voraussetzung für sicheres Radfahren“, diese Feststellung belegte Bödeker mit Beispielfotos aus Kommunen, die als besonders fahrradfreundlich bekannt sind, aus Norddeutschland und den Niederlanden. Er zeigte als Beispiel aus Eindhoven einen Kreisverkehr, der als Radl-Brücke über eine Hauptverkehrsstraße führte, sehr zum Erstaunen der Besucher. „Das wäre doch etwas für die Wegscheid“ schlug ein Zuhörer vor. „Es heißt oft, wir haben keinen Platz für Radwege. Dabei geht es nur darum, in einer Straße den Raum zwischen zwei Häuserreihen anders aufzuteilen, so dass Autos, Fahrräder und Fußgänger darin Platz haben. Das gilt auch für „geteilte Verkehrsräume“, die bei herabgesetzter Geschwindigkeit für Autos von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt genützt werden können.“, so Bödeker. Wichtig sei auch, dass es sichere Kreuzungen gebe, wo die Sichtbeziehungen übersichtlich und die Verkehrswege klar sind.
Zum Schluss zeigte der Referent noch Beispiele von Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in Innenstädten sowie an Bahnhöfen. Gerade auch für E-Bikes sind abschließbare Fahrradboxen, in denen man ein teureres Rad einen ganzen Tag lang sicher abstellen kann, besonders wichtig. Zum Schluss sprach sich Bödeker für einen „Runden Radltisch“ aus, da die Verkehrswende nur gemeinsam gelingen kann und man Bürger*innen, Geschäftsleute und Interessensverbände aktiv an der Gestaltung dieses Prozesses beteiligen muss. „Wie bringen wir die Bürgerinnen und Bürger dazu, öfter den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen?“ Damit sprach der Fraktionsvorsitzende und Stadtratskandidat Peter Forster einen weiteren Aspekt von Mobilität an. „In Traunstein gibt es auf Anregung des Seniorenbeirats seit einigen Jahren den Rufbus, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Auch Busse von auswärts ergänzen die städtischen Buslinien. Ein entscheidender Schritt zur Akzeptanz ist, dass die Busse öfter am Tag fahren, auch Samstag und Sonntag. Außerdem spielt auch der Preis eine entscheidende Rolle. Vor einem Jahr bereits beschloss der Stadtrat einen einheitlichen Tarif von 1,70 Euro für Erwachsene, 0,90 Euro für Kinder. Seit Kurzem gilt ein noch günstigerer Tarif von 1 Euro für Erwachsene und 0,50 Euro für Kinder für eine Probezeit von zwei Jahren. Danach soll das System wieder überprüft werden“, so Peter Forster. Sehr wichtig sei es auch, dass die Leute den Fahrplan gut lesen können. Bewährt habe sich in anderen Kommunen ein Fahrplan, der die Buslinien in verschiedenen Farben grafisch darstellt, ergänzend zu den Fahrplantabellen. Ein weiterer Fortschritt sei ein Verkehrsverbund, wo man mit einer Fahrkarte mehrere Verkehrsmittel (Zug, Bus) benutzen könne. Oberbürgermeister Christian Kegel zitierte die Straßenverkehrsordnung, die von allen Verkehrsteilnehmern Rücksichtnahme und Vorsicht fordert. Autofahrer müssen auf Radfahrer, diese auf Fußgänger und umgekehrt Rücksicht nehmen, was besonders in einem geteilten Verkehrsraum wichtig sei. „Auf jeden Fall wird es eine Verkehrswende für alle Verkehrsteilnehmer geben müssen, einerseits wegen des Klimas, andererseits um die Zufahrten nach Traunstein und die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu verbessern, erklärte der Oberbürgermeister. Natürlich werde es auch Konsequenzen geben müssen, um den Radverkehr zu stärken. Dazu gehört unzweifelhaft das Herausnehmen von Parkspuren aus den Innenstadtstraßen. Natürlich müssten auch die Interessen der Geschäftsleute berücksichtigt werden. Zum Ausgleich müsse eine Parkgarage im Zentrum am Karl - Theodor - Platz entstehen. Von dort aus könnten alle Kunden die Geschäfte in der Innenstadt problemlos erreichen. Auf jeden Fall müsse zur Entlastung der Zufahrtswege und der Innenstadt der Fahrradverkehr gestärkt werden, forderte Kegel. In der Diskussion berichtete Stadtratskandidatin Dr. Christine Frese aus eigener Erfahrung, dass es für Schulkinder oft schwierig sei, mit dem Fahrrad etwa von Oberhaid in die Innenstadt zu gelangen. Das gelte wohl auch für andere Stadtteile. Dagmar Haid vom ADFC meinte zum Thema „Schulweg“, am gefährlichsten sei es, wenn die Kinder direkt vor der Schule aus dem „Mama-Taxi“ steigen. Sie betonte, wie wichtig die gegenseitige Rücksichtnahme gerade auf dem Bürgersteig sei, wo Autos parken und manche Fahrradfahrer die Fußgänger gefährden. Zum Busverkehr sagte sie, dass die Fahrgastzahlen sich verdoppeln, wenn der Bus öfter fährt. Dr. Patrick Nepper gab zu bedenken, dass der Bau von mehr Radwegen teuer werden wird, da müsse im Haushalt deutlich mehr Geld eingeplant werden als bisher. Christian Kegel sah das auch so, deshalb könne nicht alles auf einmal gemacht werden, was denkbar sei. Stadtratskandidatin Silvia Bauer sprach sich für ein gedeihliches Miteinander von Auto- und Radfahrern aus. Aber man müsse auch an die vielen Fußgänger denken, auch viele Ältere, auch an Rollstuhlfahrer. Der Oberbürgermeister bestätigte dies und berichtete, dass im Zuge des Programms „barrierefreie Stadt“ immer wieder Gehsteige begradigt würden. Gerade habe die Stadt am Stadtplatz einen weiteren gekennzeichneten Übergang für Rollstuhlfahrer eingerichtet. Horst Trüdinger vom ADFC beklagte sich über die Parkplatzsuche am Stadtplatz, der viele Abgase verursache, und forderte einen autofreien Stadtplatz, bei dem die Aufenthaltsqualität spürbar besser würde. Dem schloss sich Stadtratskandidatin Silvia Nett-Kleyboldt an und schlug vor, Begegnungsräume in der Stadt zu schaffen, wo die Menschen verweilen können. Ein gelungenes Beispiel dafür sei der Salinenpark. Oberbürgermeister Christian Kegel stellte zum Schluss fest, dass er einen „Runden Tisch“ für ein geeignetes Mittel halte, um Fortschritte zum Thema „Mobilität“ zu erzielen. Er könne sich vorstellen, mit Zustimmung des Stadtrats einen solchen „Runden Tisch“ einzurichten.